Alle Jahre wieder … in diesem Jahr mit viel Schnee

Zwölf Frauen und Männer waren von Mittwoch, 12. bis Sonntag, 16. Dezember 2018 zur diesjährigen MUT-Weihnachtsaktion nach und in Rumänien unterwegs. Neben rund 800 Weihnachtspäckchen waren die drei großen Hänger beladen mit 50 von den Zimmerer-Azubis der Haller Gewerbeschule gefertigten Kartoffelkisten, gespendeten Kinderstiefeln und -schuhen, Winterkleidung für Kinder, Orangen, Süßigkeiten und manches darüber hinaus.
 

Der nachfolgende Bericht soll einen kleinen Einblick vermitteln. Jeder der Teilnehmer erlebt eine solche Aktion anders, vor allem, wenn er zum ersten Mal mit teilweise krassen Lebenssituationen konfrontiert wird. Für alle aber gilt: Es braucht vereinte Kräfte, um eine solche Aktion in vier Tagen durchzuführen. Aber auch das Wissen darum, dass viele Menschen dahinterstehen, die dazu beigetragen haben, dass das möglich wurde, gibt Kraft. Das gilt im Besonderen auch für die Weihnachtspäckchen, die sehr liebevoll von Kindern, Eltern und Lehrern vorbereitet wurden.

Mittwoch, 12. Dezember
Nachdem alle Mitfahrenden ihren Patz in den bis zum kleinsten Winkel beladenen Fahrzeugen gefunden hatten, starteten wir kurz vor 18:30 Uhr mit einem Reisesegen. Wir haben uns bewusst wieder für eine Nachtfahrt entschieden, weil die Autobahnen leerer sind und die Autos gut in der Kolonne fahren können. Das Wetter hat es ziemlich gut mit uns gemeint, in Österreich gab es zwischendurch mal Schnee, gegen Morgen dann in Rumänien leider dichter Nebel, der das Fahrttempo ziemlich reduzierte.

Donnerstag, 13. Dezember
Nach gut 15 Stunden Fahrt erreichten wir Bulgarus, ein Banater Dorf.



Da die Straße an Kindergarten und Schule vorbeiführte, verteilten wir gleich die ersten Päckchen. Es war toll, mitzuerleben, wie sehr sich Kinder freuen können. Einige packten sofort aus, andere hielten das Päckchen fest in den Armen, damit es ja niemand mehr wegnehmen konnte.



Anschließend wurden wir im MUT-eigenen „Casa de Copii“ (Haus für Kinder) bereits erwartet und auf das Herzlichste willkommen geheißen. Das Frühstück weckte neue Lebensgeister, so dass die Serienproduktion der Kartoffelkisten, die in Einzelteile zerlegt transportiert worden waren, unter Anleitung der bedienen Zimmerer-Azubis starten konnte, ein Teamwork, das sichtlich Spaß machte.

Anschließend fuhren wir zu einer Sonderschule mit Internat für 120 Kinder. Das war ein besonderer Moment für alle, die das Haus Anfang der 90ger Jahre erlebten, als es noch ein psychiatrisches Kinderheim mit 600 Kindern war. Nicht zuletzt die Erlebnisse in diesem Haus haben Menschen damals bewogen, sich bei MUT zu engagieren. Heute macht das Haus einen guten Eindruck. Die Kinder sind nicht anspruchsvoll. Umso größer dann die Freude über die Weihnachtspäckchen. Manche Parallelen gehen einem durch den Kopf und oft ist es besser, nicht zu vergleichen mit unserem Standard. Die Weitergabe der Päckchen schafft schöne persönliche Momente und Nähe.

In der Nachbarschaft besuchten wir ein Heim, in dem 90 Menschen mit einer geistig und mehrfachen Behinderung leben. Auch in diesem Haus herrschten nach Öffnung des Eisernen Vorhangs katastrophale Zustände.

Freitag, 14. Dezember

Heute waren wir den ganzen Tag im Roma-Dorf unterwegs. Zuerst ging es von Haus zu Haus, um die Erwachsenen und Kinder zu erfassen, die in den Häusern lebten und sie über die Aktion zu informieren. Anschließend füllten wir die Kartoffelkisten mit Kartoffeln, Wurst, Weihnachtssüßigkeiten und Kalendern. Die Lebensmittel dafür hatten wir vor Ort bestellt.

Während einige unserer Gruppe die gefüllten Kisten verteilten, waren die anderen damit beschäftigt, die Kinder mit Schuhen zu versorgen. Dafür stand ein Raum zur Verfügung, in dem jeweils fünf Kinder Platz nehmen konnten, für die dann wie im „Schuhladen“ die richtige Größe ausgesucht wurde. Neben den gespendeten Schuhen konnten wir von den Spenden aufgrund des Aufrufs im Haller Tagblatt wieder eine große Menge neuer Winterstiefel in Rumänien bestellen. Die Schuhe wurden dann mit Weihnachtssüßigkeiten gefüllt und strahlende Gesichter machten Platz für die nächste Runde. Alles lief ziemlich geordnet ab.

Die, die schon des Öfteren im Romadorf dabei waren, hatten den Eindruck, dass sich die Dorfbewohner Mühe geben, etwas Ordnung ins Dorf zu bringen. Beeindruckend auch, dass eine Familie aus einem kleinen Häuschen einen Gottesdienstraum gestaltet hat, und dort jetzt regelmäßig ein katholischer Priester zum Gottesdienst kommt. Es ist ein Ort der Gemeinschaft geworden, der den Menschen gut tut. Wir hatten neben weiteren Stühlen noch zwei Holzöfen mitgebracht, damit der Raum künftig auch beheizt werden kann. Ganz langsam tut sich was ...

Am Abend begann es kräftig zu schneien und es hörte nicht mehr auf bis zur Abfahrt. Das Fahren wurde sehr anstrengend, da in den Dörfern kein Räum- und Streudienst am Werk ist. Eine Schneedecke von knapp 30 cm erforderte schließlich Schneeketten. Der Schnee nahm gleichzeitig etwas von der düsteren Stimmung in den Dörfern und machte die Dörfer und die matschigen Wege schöner.

Samstag 15. Dezember
Wir waren wieder früh unterwegs, um das volle Tagesprogramm zu absolvieren. Die erste Anlaufstelle an diesem Morgen war das Kinderkrankenhaus in Timisoara. Professorin Margit Serban freute sich über das Wiedersehen und den Austausch über die aktuelle Situation im Gesundheitsbereich. Freilich, hier erlebten wir auch viele schwerkranke Kinder und wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen besonders einem Jungen helfen können, der dringend eine Chemo braucht, die es aber in Rumänien nicht gibt.

Anschließend besuchten wir noch ein kleineres Kinderheim und auf dem Rückweg machten wir Halt in einer weiteren Romasiedlung, schon beeinträchtigt durch den vielen Schnee.

Noch war nicht an Feierabend zu denken, denn Sophia, eine Studentin, die derzeit im Casa ein Praktikum durchführt, hatte noch eine Liste mit 30 armen Familien in Bulgarus vorbereitet, die wir besuchen sollten. So waren wir bis etwa 21 Uhr im Tiefschnee unterwegs, um die Familien mit Päckchen und Lebensmitteln zu beschenken. Es sind diese direkten Kontakte, die einen berühren, nachdenklich machen. Gleichzeitig wird man dankbarer für alles, was es an Selbstverständlichkeiten bei uns gibt. In dieser kalten Jahreszeit vor allem die Heizung. Nicht wenige der Familien müssen mit einem selbstgebastelten Ofen auskommen, der aber nur funktioniert, wenn es auch Brennmaterial gibt und das ist rar.

Auch wenn es abends spät wurde, so erlebten wir mit den Kindern im Casa noch schöne Stunden, feierten traditionell Advent; das tat gut nach dem langen Unterwegssein bei eisigen Temperaturen.

Sonntag, 16. Dezember
Aufgrund der Wetterlage fuhren wir bereits um 5 Uhr deutscher Zeit los in der Hoffnung, dass sich der Schnee auf Rumänien begrenzt. Tatsächlich lief es dann ziemlich gut, die Straßen waren größtenteils geräumt und gut befahrbar. Wer nicht gerade am Steuer saß, hatte 1.200 Kilometer Zeit, um noch einmal die Bilder der letzten Tage vorüberziehen zu lassen. Dr. Roland Rüppel zieht für sich das Resümee: „Die Tage haben mich angeregt, darüber nachzudenken, wie man am besten helfen kann, ob im Krankenhaus, im Romadorf, bei den Kindern. Da schwirren noch die verschiedensten widersprüchlichen Eindrücke durch meinen Kopf“. Und immer wieder der Gedanke, dass wir innerhalb Europas unterwegs waren und es doch gewaltige Unterschiede gibt, wie Menschen leben, auch innerhalb Rumäniens.

MUT dankt allen Spenderinnen und Spendern, die dem Aufruf im Haller Tagblatt gefolgt sind. Der Verein ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft und der Anteilnahme an der Aktion. Alle Jahre wieder!

Weitere Fotos der Aktion finden Sie in unserer Bildergalerie.

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