Zimmerer Azubis - Ein Erfahrungsbericht

Wie schon berichtet hatten sich 17 Personen am Donnerstag, 14.06.2018 auf die Fahrt nach Bulgarus gemacht. Drei Transporter mit Anhänger hatten außer der Mannschaft, noch 5 Tonnen Hilfsgüter, Baumaterial und Werkzeug an Board.

Die Zimmerer Azubis und ihre Ausbilder der Schwäbisch Haller Gerwerblichen Schule / lokaler Betriebe sind alle wohlbehalten zurück. Sie haben hervorragende Arbeit vor Ort in Rumänien geleistet und dabei viele bleibende Eindrücke bekommen. Erfahrungen, die für junge Leute sehr wertvoll sind, aber manchen auch sehr nachdenklich gemacht haben.

Sie finden viele Bilder von der Fahrt in unserer Bildergalerie.

Bevor wir hier den Erfahrungsbericht aus dem Haller Tagblatt aufführen, möchten wir von „MUT mitmachen und teilen“ uns ganz herzlich bei den Teilnehmern, der Gewerblichen Schule, der Zimmererinnung, einigen Firmen und den Ausbildungsbetrieben für die Unterstützung bedanken. Außer der eigentlichen Reise, der damit verbundenen Zeit und Arbeit, wurden wir auch finanziell, mit Sachspenden und Werkzeugleihgaben unterstützt.

Die Teilnehmer

Die Teilnehmern mit dem Einsatz ihrer Zeit, ihres beruflichen Könnens und ihres sozialen Engagements

Fa. Hanselmann

 Spende von Schrauben und anderen Verbindungsmitteln

Leihgabe von Maschinen zur Holzbearbeitung

Übernahme der Fahrtkosten

 

Es ist für uns immer wieder toll, solche Unterstützung zu erfahren. Danke !

Ein kleiner Verein wie MUT kann ohne solche Aktionen und die Unterstützung vieler Spender, auch über viele Jahre hinweg, nicht diese Arbeit für die Menschen machen, die es nicht so gut haben.

Doch nun der Bericht - reisen sie mit ...

Haller Lehrlinge reparieren rumänische Dächer

Quelle: Haller Tagblatt / swp.de
Schwäbisch Hall/Bulgarus / Sonja Alexa Schmitz 02.07.2018

Sechs Zimmererlehrlinge der Gewerblichen Schule in Hall sind damit beschäftigt, das Dach eines Privathauses wieder auf Vordermann zu bringen. Eine Woche lang haben sie in Bulgarus, einem Dorf in Rumänien, geholfen.
© Foto: privat

Zwölf Zimmererlehrlinge der Gewerblichen Schule sind mit dem Verein MUT nach Rumänien gefahren und haben dort hoch motiviert Dächer und Wände repariert.
Am 14. Juni am frühen Abend steigen zwölf Zimmererazubis im ersten Lehrjahr in drei Busse. Das Ziel ist Bulgarus, ein Dorf in Rumänien. Ihre Stimmung ist angespannt. Sie haben sich freiwillig für diese Reise in ein sehr armes Land gemeldet. „Als ich die Bilder gesehen habe, wie die Leute dort leben, ist mir erst mal die Kinnlade runtergefallen“, sagt Giselher Büllinger, einer der Lehrlinge.

Die Lehrlinge wissen nicht, was sie erwartet, rechnen mit einer miserablen Unterkunft, vielleicht ohne Strom und Wasser, so wie es in den armen Roma-Dörfern üblich ist. Werden sie passables Essen kriegen? Stärkung werden sie brauchen, denn sie fahren zum Arbeiten hin. Drei Baustellen erwarten sie. Ein Dach und ein Vordach von zwei Privathäusern und eine Wand vom Kinderhaus sind extrem baufällig.

Kein bisschen bereut
Robert Hoppe vom Verein MUT (Mitmachen und teilen aus Bibersfeld) hat sich über einen gemeinsamen Bekannten an den technischen Lehrer Roland Kern gewandt. Der hat, mit einigen Bedenken, was Arbeitssicherheit, Unterkunft und Versorgung anging, letztlich zugestimmt und es kein bisschen bereut. Er war überrascht, wie hoch motiviert er seine Schüler erlebt hat. „Sie haben so gut gearbeitet, waren nie frustriert, kein Meckern, nicht mal beim Wecken um 6.30 Uhr.“

Eine Woche nach der Reise sind die jungen Zimmerer immer noch voll von den Eindrücken – guten und schlechten. Bewegt hat sie die extreme Armut und die Situation der Roma, „ehemalige Wirtschaftsflüchtlinge aus Indien, die in Rumänien weniger wert sind als Vieh. Jemand hat mal gesagt, läge einer von denen auf der Straße, er würde nicht drüber fahren, um sein Auto nicht dreckig zu machen“, erzählt Büllinger.

Die Schüler reparieren – ermöglicht durch Spenden an MUT – an Häusern dieser Menschen und wundern sich, wie wenig diese aus ihrem Hab und Gut machen. Anstatt ihre Gärten zum Gemüseanbau zu nutzen, liege dort nur Schrott. Ihre Dächer sind eingebrochen, bei Regen sind Bett und Decken, in denen sie zu mehreren schlafen, pitschnass. Obwohl sie am Haus gearbeitet haben, hätten sich die Besitzer kaum darum gekümmert, dass sie da waren. Eine merkwürdige Passivität. Die Schüler machen sich Gedanken. „Ihnen fehlt eine Perspektive!“, bedauert Giselher Büllinger. „Ich hoffe, sie machen was draus und übernehmen kleine Reparaturen in Zukunft selber“, sagt Leonie Gehler. „So viel Armut in einem EU-Land!“, wundert sich Marvine Walter.

Keine Noten, keine Beurteilung
Obwohl sie von den Einheimischen nicht mit Dank überschüttet wurden, sind sie hoch motiviert und würden am liebsten noch eine Woche dranhängen. Geschätzt haben sie auch, dass sie dort mal so richtig schaffen konnten, ohne auf Millimeterarbeit achten zu müssen. Es gibt keine Noten, keine Beurteilung, stattdessen Improvisation, Teamwork und das befriedigende Gefühl, etwas echt Sinnvolles zu machen.

„Es war einfach mal was anderes als Schule und Arbeitsplatz. Die Stimmung untereinander war unheimlich gut“, erzählt Mirjam Bühler. Die Erlebnisse sprudeln aus ihnen: die Kinder im Kinderheim und dass sie jeweils Verantwortung für ein Tier übernehmen, ein Bauer mit einer Ziege mit fünf Hörnern, der alleine auf einem viel zu großen, verrottenden Hof lebt und sich auch so einen Bautrupp wünscht, die innige Verständigung auch ohne Worte, ein Markt, auf dem „vom Schnürsenkel bis zum Pferd alles verkauft wird“. Viele Bilder bleiben ihnen. Vor allem aber das Gefühl, zusammengewachsen zu sein, Schüler, Lehrer und ein Stückchen vergessene Welt.

Info Am Mittwoch, 4. Juli, gibt es im Medienraum der Gewerblichen Schule einen Bildbericht der Zimmerer-Azubis von dem Hilfsprojekt in Rumänien. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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